Musik als Brücke zu Menschen mit Demenz

Musik als Brücke zu Menschen mit Demenz

Das gemeinsame Singen hatte früher einen weit höheren Stellenwert und war in vielen Familien sehr beliebt. Gemeinsames Singen mit Menschen mit Demenz knüpft daher an Kindheits- und Jugenderinnerungen an und kann den Betroffenen ein Gefühl von Geborgenheit vermitteln. Musik ist eine wirksame Maßnahme, um den Kontaktaufbau zu ermöglichen oder sogar das Fortschreiten der Demenz zu verlangsamen. Selbst oder vor allem dann, wenn Menschen an einer fortschreitenden Erkrankung leiden, kann Musik ein Mittel der Kommunikation und des persönlichen Ausdrucks sein.

Der Einsatz von Musik als Medium zur Begleitung und Behandlung kranker Menschen ist bereits seit dem 19. Jahrhundert belegt. Die heutige Form der Musiktherapie ist eine relativ neu entwickelte Therapiemöglichkeit, welche sich in den letzten Jahren als wichtiger Bestandteil der psychosozialen Begleitung alter und dementer Menschen etabliert hat. Unter Musiktherapie versteht man heute den „gezielten Einsatz von Musik im Rahmen der therapeutischen Beziehung zur Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung seelischer, körperlicher und geistiger Gesundheit.“ (Quelle: Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft). So kann Musik auch für Menschen mit Demenz auf emotionaler wie kognitiver Ebene ein Schlüssel zu Gedächtnisprozessen werden.

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Vorteil der Musik

Im Falle einer Demenz ist es für Angehörige häufig schwer zu dem Betroffenen durchzudringen und Kontakt aufzubauen. Neben herkömmlichen Therapiemethoden kann hier die Musiktherapie eine große Hilfe sein. Je schwerer die Demenz, desto mehr nimmt die Bedeutung von Musik zu, da bei zunehmender Demenz immer weniger auf sprachlicher Ebene kommuniziert werden kann oder auf Berührungen oder ähnliches reagiert wird. Die Musik aktiviert unterschiedliche Teile des Gehirns und somit auch solche, die nicht so sehr von der Krankheit betroffen sind, sodass der Zugang zu den Menschen auf einer anderen Ebene geschieht.

Erfolge des Einsatzes von Musik bei Menschen mit Demenz

Das Hören und Mitsingen bestimmter Lieder aus der Kindheit und Jugend kann immer noch Erinnerungen an Personen oder Ereignisse aus dieser Zeit hervorrufen, selbst wenn die Betroffenen über das Namens- und Gesichtsgedächtnis keinen Zugang mehr dazu haben. Diese Erinnerungen sowie die Freude am Hören von Musik gibt den Menschen ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit. Neben professionell ausgebildeten Musiktherapeuten können auch Angehörige die Erfahrung machen, dass Musik den Kontaktaufbau zu den Betroffenen erleichtert. Der Einsatz von Musik führt auch bei sonst eher stummen, verschlossenen Personen nicht selten zu Gesprächen über die vergangenen Zeiten. Zusätzlich beugt die erhöhte Lungenaktivität bei regelmäßigem Mitsingen Lungenerkrankungen vor, was besonders bei Bettlägerigkeit wichtig ist.

Darauf sollte man achten…

Auch wenn das Hören von Musik einem gesunden Menschen nicht sehr anspruchsvoll erscheint, kann es einen Demenzkranken schnell überfordern und verwirren. Daher sollte man bei der Verwendung von Musik auf einige Dinge achten:
Es sollten ausschließlich Lieder gespielt oder gesungen werden, die der Betroffene mag und denen er gerne zuhört. Ob dies der Fall ist kann der Pflegende an der freudigen, zustimmenden oder der ablehnenden, beunruhigten Reaktion des Erkrankten erkennen. Zudem ist eine Dauerbeschallung nicht ratsam, da Musik bewusst und aktiv wahrgenommen werden sollte, um Erfolge zu erzielen. Stundenlange Beschallung überschreitet die Konzentrationskapazität und überfordert den Demenzkranken, was zu großer Unsicherheit und mitunter sogar aggressivem Verhalten führen kann. Wichtig ist, dass die Betreuer ebenfalls die Emotionen der Musik aufnehmen und offen nach außen hin zeigen, sodass der Erkrankte zusätzlich angeregt wird und mit seinen Gefühlen nicht alleine steht. Besonders sinnvoll sind Lieder aus der Jugend der Betroffenen, da sie sich noch am ehesten an diese Zeit und ihre Musik erinnern. Idealerweise sollten die Lieder auch zum Mitsingen geeignet sein.

Produkte von Singliesel

Die Lieder des Singliesel Verlags sind an die Biographie der Zielgruppe angepasst und ermöglichen es den Pflegenden und Betreuenden, die Betroffenen mit wenig Aufwand zu erfreuen und aufzumuntern, was für beide Seiten – Erkrankte und Nicht-Erkrankte – mit Spaß verbunden ist. Sämtliche SingLiesel-Produkte finden Sie in unserer Produktwelt.

Angaben zum Interview

Barbara Weinzierl

Musik und Musiktherapie bei Demenz Barbara Weinzierl wählte nach Abschluss des ersten Staatsexamens in den Fächern Musik und katholische Theologie für Lehramt an Realschulen den Weg in die Musiktherapie. 2009 schloss sie dieses Zusatzstudium an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster mit einem Diplom ab. Bereits während der Studienzeit sammelte sie Erfahrung im Bereich der musiktherapeutischen Arbeit, unter anderem mit Demenzkranken. Nach Abschluss des Studiums wurde die musiktherapeutische Arbeit mit Menschen mit Demenz zu einem wichtigen Schwerpunkt ihrer selbstständigen Tätigkeit.
Ein kurzer Überblick über die berufliche Laufbahn:

  • März – September 2008 Initiierung und Leitung des Projekts „Mit Musik für die Seele sorgen“ für Kinder in einem Akutkrankenhaus Münster
  • Seit Mai 2009 Freiberufliche Tätigkeit in Institutionen in Baden-Württemberg, schwerpunktmäßig im Bereich der Musiktherapie mit Menschen mit neurologischen Erkrankungen
  • Seit 2010 Betreuung regionaler und überregionaler Kurz- und Langzeitprojekte bezüglich Beratung und Prävention
  • Seit 2011 Leitung des Improvisationsensembles „Die Schallwellen“
  • Seit 2012 Beratung des Singliesel-Verlags in musiktherapeutischen Fragen für die gezielte Entwicklung von Produkten für Menschen mit Demenz
  • mehr Informationen unter www.barbaraweinzierl.de

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