Prävention, Diagnose & Therapie bei Inkontinenz

Prävention, Diagnose & Therapie bei Inkontinenz

Tipps bei Harninkontinenz

Bei einer Inkontinenz ist die richtige Ernährung von großer Bedeutung. Ungünstige Ess- und Trinkgewohnheiten können sich negativ auf eine bestehende Harninkontinenz auswirken. Besonders Betroffene, die an einer Belastungsinkontinenz leiden sollten daher darauf achten, die ohnehin bereits geschwächten Beckenboden- und Blasenschließmuskeln nicht unnötig zu belasten.

Prävention bei Inkontinenz

Zur Prophylaxe bei Inkontinenz bieten sich vor alle die Stärkung der Beckenbodenmuskulatur, sowie Verhaltenstraining an, welche im Folgenden erläutert werden.

Beckenbodenübungen zur Besserung der Harninkontinenz

Beckenbodenübungen, auch bekannt als Kegel-Übungen oder Beckenbodenrehabilitation, können zur Besserung der Harninkontinenz beitragen, vor allem bei Belastungsinkontinenz. Solche Übungen stärken die Muskelstruktur der Beckenregion, welche das Verschließen des Harnwegs unterstützt. Die Übungen müssen regelmäßig mindestens drei Monate lang durchgeführt werden, damit sich die Wirkung bemerkbar macht. Spezielle Übungen bei Stuhlinkontinenz, die auf Muskelprobleme zurückzuführen ist, zielen auf den analen Schließmuskel ab, der den After umgibt. Die Übungen können in unterschiedlichen Positionen durchgeführt werden, z. B. im Sitzen oder im Liegen.

Physiotherapeuten für Inkontinenzbehandlung können den Patienten bei diesen Übungen anleiten und den Fortschritt überwachen. Um die Übungen effizienter und effektiver zu gestalten, können Frauen Vaginalkonen verwenden. Dies sind Gewichte, die in die Vagina eingeführt werden. Genau wie bei allen anderen Arten von Gewichtstraining gilt auch hier: Je mehr Gewicht Sie halten können, desto kräftiger werden Ihre Muskeln. Männer können Pumpen verwenden, um die physische Schließkraft zu erhöhen.

Bio-Feedback ist eine Technik, die die Muskelkontraktionen misst, während diese im Körper ausgelöst werden. So kann festgestellt werden, ob Sie die richtigen Muskeln anspannen und wie stark die Kontraktion ist. Zudem wird sichergestellt, dass Sie die Übungen korrekt durchführen.

Verhaltenstraining zur Verbesserung der Harninkontinenz

Ein Teil des Verhaltenstrainings ist das Erstellen eines Plans zum geregelten Toilettengang. Dieses Blasentraining kann jeder Person helfen, eine gewisse Berechenbarkeit in Ihre Toiletten-Gewohnheiten zu bringen und so vor ungewünschtem Drang schützen.

Ein weiterer Aspekt beim Blasentraining sind verlängerte Phasen zwischen Ihren regelmäßigen Toilettenzeiten. Diese Therapie sollte für spürbare Verbesserung mindestens sechs Wochen lang durchgeführt werden. Versuchen Sie hierzu – unabhängig von einer bestehenden Inkontinenz – die Zeiten zwischen zwei Toilettengängen bewusst zu verlängern. Dies trainiert die Schließmuskulatur und verbessert die Kontinenz auch, wenn Sie einmal nicht so bewusst auf die Toilettenzeiten achten.

Stressreduktion und geminderte Angst im Zusammenhang mit dem Gang zur Toilette können ebenso hilfreich für eine gesteigerte Kontinenz sein. Emotionale Reaktionen können insbesondere im Falle eines Anfangsverdachts, oder auch bei diagnostizierter Inkontinenz zu einer erhöhten Spannung, insbesondere des Bauchraums führen. Dadurch wird wiederum Druck auf Darm und Blase ausgeübt, so dass es Betroffene zur Toilette drängt. Versuchen Sie Stress zu vermeiden. Hinsichtlich des Toiletten-Stress kann es helfen, sich jederzeit über den Standort der nächstgelegenen Toilette bewusst zu sein, die zuvor vorgestellten Übungen durchzuführen und sich die Zeit zu nehmen, in Ruhe auf die Toilette zu gehen.

Diagnose – unterschiedliche Formen und Therapien bei Inkontinenz

Eine gründliche ärztliche Untersuchung ist bei Verdacht auf Inkontinenz ausgesprochen wichtig. Da es unterschiedliche Formen von Inkontinenz gibt, gibt es auch unterschiedliche Therapien, die für jeden Einzelfall geprüft werden sollten. Zögern Sie deshalb nicht bei einem ersten Verdacht, einen Arzt aufzusuchen. Je früher mit einer Behandlung begonnen wird, desto besser stehen die Chancen einer Heilung und desto eher sind die Einschränkungen im Alltag zu bekämpfen. Der Arzt ist allerdings auf Ihre Mithilfe angewiesen, um eine Erkrankung feststellen und bekämpfen zu können.

Eine erste Untersuchung kann durch den Hausarzt erfolgen, der – so der Anfangsverdacht sich bestätigt – an die richtigen Stellen und zu den richtigen Ärzten verweisen wird. Die Untersuchungen sind weder aufwendig, langwierig noch schmerzhaft. Aus diesem Grund ist Angst vor dem Arztbesuch überhaupt nicht nötig. Sollten Sie sich scheuen, das Thema trotz der Erfahrung und Verschwiegenheit des Arztes anzusprechen, kann es helfen, sich zuhause Notizen zu machen, um später die richtigen Worte zu finden. Fragen, auf die Sie sich vorbereiten können, sind beispielsweise nach möglichen Vorerkrankungen, dem Verhalten bei und der Häufigkeit von Harndrang. Unter Umständen wird der Arzt bei einem Verdacht darum bitten, dass der Patient einige Zeit ein Protokoll über konsumierte Speisen und Getränke sowie Toilettengänge führt (sog. Miktionsprotokoll). Außerdem wird der Arzt einen Patienten mit Verdacht auf Blasenschwäche sehr wahrscheinlich fragen, wie lange der Verdacht bereits besteht und wie stark und unter welchen Umständen der Harnverlust auftritt. Im Anschluss wird der Arzt sich für oder gegen eine körperliche Untersuchung entscheiden. Auch hiervor müssen Betroffene sich nicht fürchten. Der Mediziner kontrolliert hierbei zunächst nur, ob an den Genitalien oder dem Anus eine Ursache für die Inkontinenz erkennbar ist. Gegebenenfalls sollten Fachärzte zusätzlich zu Rate gezogen werden. Diese können beispielsweise eine Ultraschalluntersuchung durchführen oder ein Zystogramm erstellen, welche eine die Inkontinenz auslösende Fehlstellung innerer Organe aufdecken können. Weitere Untersuchungen können mit Blut-, Urin- oder Stuhlproben erfolgen, bei denen Erkenntnisse zu Entzündungen, Nierenleiden oder anderen ursächlichen Krankheiten erlangt werden können. Zusätzlich können die Fachärzte spezielle Untersuchungen wie eine Blasenspiegelung (optische Untersuchung der Blase und Harnröhre), eine Urodynamik (Messung des Blasendrucks in verschiedenen Situationen) oder eine Uroflowmetrie (Messung des Harnflusses) anordnen und durchführen.

Therapieformen und nützliche Inkontinenzhilfsmittel

Je nach Art und Schwere der Inkontinenz bieten sich unterschiedliche Therapieformen an. Ihr Arzt wird Sie über den Einsatz und den Gebrauch von nützlichen Hilfsmitteln informieren. Auf ärztliche Anordnung können in vielen Fällen die Kosten dafür von der Krankenkasse übernommen werden.

In jedem Fall ist bereits vor einer Erkrankung regelmäßiges Training der Beckenbodenmuskulatur empfehlenswert und stellt auch oft den ersten Schritt in der Therapie dar. Hierzu gibt es neben verschiedenen Körpergewichtsübungen auch spezielle Trainingsgeräte, die unterstützend in der Therapie eingesetzt werden. Bei diesen handelt es sich beispielsweise um spezielle Gewichte, die der Frau dabei helfen, die Schließmuskulatur zu trainieren. Männern können spezielle Pumpen bei der Stärkung der Schwellkörper helfen, die ebenfalls einen Beitrag zur Kontinenz leisten.

Darüber hinaus kann eine Gewichtsreduktion oftmals eine Linderung der Inkontinenzsymptome herbeiführen. Ferner sollte nach Bekanntwerden einer Inkontinenz das Verhalten angepasst werden, um den Alltag so leicht wie möglich zu gestalten. Das Planen regelmäßiger Toilettenbesuche sowie bewusste Einnahme von Speisen und Getränken zählen hier zu den wichtigsten Bestandteilen. Unter Umständen und nach ärztlicher Untersuchung kann auch eine Medikamenteneinnahme verabredet werden. Es stehen unterschiedliche Wirkstoffe in unterschiedlichen Verabreichungsformen zur Verfügung. Beispiele stellen Duloxetin, Mirabegron, Botulinumtoxin oder Anticholinergika dar, die jedoch, wie bei Medikamenten üblich, für jeden Einzelfall geprüft und auf Nebenwirkungen hin untersucht werden müssen. Als Ultima Ratio können auch operative Eingriffe erfolgen, bei denen beispielsweise der Sphinkter (Schließmuskel) künstlich nachgebildet wird. Selbstverständlich sind auch hier die Heilungs- bzw. Linderungsaussichten einzelfallabhängig.

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