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Hallux Valgus - Der schiefe Zeh

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Hallux Valgus - Der schiefe Zeh

Was ist ein Hallux Valgus?

Hallux valgus ist der medizinische Fachausdruck für eine chronische Fehlstellung der Großzehe. Dabei weicht die Großzehe (Hallux) zur Fußaußenseite in Richtung der anderen Zehen ab und verbleibt dort. Diese Fehlstellung, bei der die große Zehe in Richtung der Nachbarzehen abgewinkelt ist, wird als Valgusstellung bezeichnet.
Bei der weitaus häufigsten Form des Hallux valgus entsteht die Valgusstellung im Bereich des Großzehengrundgelenks. Dieses Gelenk verbindet den ersten Mittelfußknochen mit dem Grundglied der großen Zehe. Bei einem gesunden Fuß bilden der Mittelfußknochen und das Zehengrundgelenk eine weitgehend gerade Linie. In der Valgusstellung ist der Mittelfußknochen zur Fußinnenseite hin ausgerichtet.
Hallux Valgus - schiefer Zeh - Indikation
Die Abweichung des Mittelfußknochens drückt das Großzehengrundgelenk stark in Richtung der Fußinnenkante. Dadurch neigt sich das Grundglied des großen Zehs zu den Nachbarzehen und es bildet sich die für den Hallux valgus charakteristische Ausstülpung im Bereich des Grundgelenks an der Innenseite des Fußes. Diese Ausstülpung nimmt die Form einer Beule oder eben eines Ballens an, daher stammen auch die landläufigen Bezeichnungen Beulenfuß oder Ballenzeh.

Eine sehr seltene Form des Hallux valgus ist der Hallux valgus interphalangeus. Dabei ist nicht das Gelenk betroffen, sondern das Grundglied oder das Endglied der Großzehe ist zu den benachbarten Zehen hin abgeknickt. Diese Fehlstellung ist in den meisten Fällen angeboren.

Ursachen - Wie entsteht ein Hallux valgus?

Ein Hallux valgus entsteht nicht von heute auf morgen. Er entwickelt sich über einen langen Zeitraum und macht sich meistens erst um das 50. Lebensjahr herum bemerkbar. Mit verantwortlich für die Deformation im Vorfuß sind Schuhe, die die Füße über Jahre in eine unnatürliche Lage zwängen.

Unsere Füße haben viel zu tragen. Einerseits müssen sie stabil genug sein, um sicheres Gehen, Stehen und Laufen zu ermöglichen, andererseits müssen die Füße sehr flexibel sein, um sich unterschiedlichen Untergründen anzupassen und auf Wärme, Kälte und andere Reize zu reagieren. Für Bewegung und festen Stand sorgt das Zusammenspiel von Knochen, Gelenken, Muskeln, Sehnen, Bändern und Nerven. Weil wir uns nicht barfuß auf unebenen Untergründen bewegen, sondern Schuhe tragen und auf ebenen Wegen gehen, sind die Füße besonderen Belastungen ausgesetzt.
Wenn ungünstige Einflüsse langfristig den Zug der Muskeln, Sehnen und Bänder auf die Knochen und Gelenke des Fußes bestimmen, kann sich der Fuß verformen.

Häufig ist einem Hallux valgus ein Spreizfuß vorausgegangen. Bei dieser Fußfehlstellung, die oft unbemerkt bleibt, ist das Quergewölbe des Vorfußes abgesenkt und die Mittelfußknochen weichen auseinander. Der gesamte Vorderfuß ist abgeflacht und verbreitert. Dadurch verändert sich auch die Lage der Streck-und Beugesehnen der Großzehen, was langfristig zu einer Fehlstellung führen kann.

Die Beschaffenheit des Bindegewebes spielt für die Absenkung des Fußgewölbes und die Entstehung eine Hallux valgus eine wichtige Rolle. Die Beschaffenheit des Bindegewebes ist überwiegend genetisch bedingt. Aus diesem Grund kann bei der Entwicklung eines Hallux valgus auch von einer familiären Veranlagung ausgegangen werden. Dabei wird nicht die Valgusstellung an sich vererbt, sondern die Neigung zu einem schwächeren Bindegewebe, welches das Fußgewölbe im Laufe der Zeit absinken lässt.
Da Frauen über ein besonders nachgiebiges Bindegewebe verfügen und über Jahre oft unbequeme Schuhe mit hohen Absätzen tragen, sind sie wesentlich häufiger betroffen als Männer.

Unser Kleidungsstil hat sich im Laufe der Zeit den veränderten Lebensbedingungen angepasst. Leider "hinkt" die Schuhmode den aktuellen Erfordernissen noch etwas hinterher. Eigentlich sollten Schuhe den anatomischen Gegebenheiten der Füße Rechnung tragen. Häufig sind Schuhe jedoch derart konstruiert, dass sich der Fuß dem Schuh anpassen muss. Hier liegt eine der Hauptursachen für die Entstehung eines Hallux valgus.

Schmal zulaufende Schuhe verschieben die Zehen ständig aus ihrer ursprünglich geraden Position. Der gesamte Vorderfuß wird in eine eher dreieckige Form gedrängt. Haben die Schuhe zusätzlich hohe Absätze, liegt das gesamte Körpergewicht überwiegend auf dem Vorderfuß, die Abrollbewegung beim Gehen ist gestört und das Quergewölbe im Vorfußbereich wird übermäßig belastet.
Hallux Valgus - schiefer Zeh - Ursachen-HighHeels-Röntgenbild
In den zu engen Schuhen werden die Knochen in der Fehlstellung gehalten. Dabei verändert sich der Zug der Muskeln und Sehnen und der Große Zeh gerät zunehmend in eine Schieflage.

Rheumatische Erkrankungen oder schlecht verheilte Knochenbrüche können ebenfalls einen Hallux valgus verursachen.

Symptome, Beschwerden und mögliche Folgen

Das auffälligste Symptom eines Hallux valgus ist neben der Fehlstellung des großen Zehs die Ballenbildung. Für einige Betroffene stellt die Verformung lediglich ein optisches Ärgernis dar, denn auch ein ausgeprägter Hallux valgus muss nicht unbedingt Schmerzen bereiten. Bei den meisten Patienten stellen sich allerdings Beschwerden, vor allem beim Laufen, ein. Oft genug beginnen die Probleme schon mit dem Anziehen der Schuhe.

Der Ballen sieht aus und fühlt sich auch oft an, als habe sich an dieser Stelle ein Knochenauswuchs (Exostose) gebildet. Es handelt sich jedoch um das zum Fußinnenrand verschobene Köpfchen des Mittelfußknochens und die geschwollenen und verhärteten Haut- und Gewebeschichten, die das Knochenköpfchen umgeben. Medizinisch wird dieses Phänomen deshalb als Pseudoexostose bezeichnet (pseudo - falsch, Exostose - Anbau neuer Knochensubstanz).

Die Ballenbildung ist eine häufige Ursache für Schmerzen und Beschwerden. Der breiter gewordene Fuß passt nicht mehr richtig in den Schuh. Durch den ständigen Druck und die Reibung im Schuh ist die Haut an dieser Stelle oft gerötet und entzündet. Es können auch Schwielen auftreten, die den Druck zusätzlich erhöhen. Die Schleimbeutel im Bereich des Gelenks, die eigentlich den Druck zwischen Sehnen, Muskeln, Knochen und Haut abfangen, werden durch die andauernde Reizung in Mitleidenschaft gezogen. Sie können sich entzünden, anschwellen und heftige Schmerzen verursachen. Wird der Druck nicht reduziert, kann sich aus einer akuten Schleimbeutelentzündung ein chronisches Leiden entwickeln.

Sogar im Anfangsstadium bereitet ein Hallux valgus zuweilen Beschwerden. Selbst wenn Haut und Schleimbeutel am Ballen noch nicht geschädigt sind, kann das Großzehengrundgelenk Schmerzen verursachen, wenn der Fuß bewegt wird. Die abweichende Lage des Großzehengrundgelenks verändert nicht nur die Form des Vorfußes, sie wirkt sich auch auf die Funktion des Fußes aus. Durch die Zugverhältnisse der Sehnen und Muskeln kann sich die Fehlstellung im Laufe der Zeit stetig verstärken.
Das Gehen bereitet oft auch Schmerzen im Bereich des Mittelfußes. Die Deformierung verändert die Abrollbewegung beim Laufen, weil das Gewicht von der Großzehe und ihrem Grundgelenk zu den Kleinzehen und deren Grundgelenken hin verlagert wird. Die Schmerzen machen sich an diesen Stellen dann an den Fußsohlen bemerkbar. In der Medizin wird dieser Mittelfußschmerz im Zusammenhang mit Hallux valgus als Transfermetatarsalgie bezeichnet.

Eine weitere Komplikation besteht darin, dass bei einem fortgeschrittenen Hallux valgus der abgeknickte Zeh die anderen Zehen verdrängt und die Zehen sich überlagern. Die Zehen können sich zu Hammer– oder Krallenzehen verformen, die wiederum zu einer weiteren Belastungsumverteilung führen. Mit bedingt durch die Platzprobleme im Schuh bildet sich an den Zehen und auch an den Zehenballen der Fußsohle vermehrt Hornhaut. Starke Hornhaut und Schwielen sind die Voraussetzung für das Entstehen von Hühneraugen, die jeden Schritt zur Qual werden lassen.
Auch ein Hallux valgus interphalangeus, bei dem das Gelenk nicht betroffen ist, kann Schwielen und Hühneraugen verursachen, weil der abgewinkelte Zeh die anderen Zehen bedrängt.

Wegen der Fehlstellung des Großzehengrundgelenks bei "normalem" Hallux valgus ist das Gelenk vermehrten und vor allen Dingen verkehrten Belastungen ausgesetzt. Als Folge davon nutzt sich der Knorpel immer stärker ab und das Gelenk verschleißt mehr und mehr – es entwickelt sich eine Arthrose. Eine Arthrose ist in jedem Fall schmerzhaft und kann dazu führen, dass das betroffene Gelenk vollständig unbeweglich wird. Die Versteifung des Großzehengrundgelenks, med. Hallux rigidus, verursacht weitere Fehlbelastungen bei der Abrollbewegung des Fußes.

Ein Hallux valgus beeinflusst also sämtliche Bewegungsabläufe im Fuß und hat damit auch Auswirkungen auf die Koordination des Ganges. Fehlbelastungen und Schmerzen führen oft zu Gangunsicherheiten. Besonders für ältere Menschen erhöht sich durch einen unsicheren Gang die Gefahr zu stürzen und sich dabei zu verletzen.

Diagnose und Therapie - Wie wird ein Hallux valgus behandelt?

Grundsätzlich stehen sowohl konservative als auch operative Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Je nach Ausprägung der Fehlstellung und der Stärke der Beschwerden entscheidet der Arzt, ob eine konservative Behandlung ausreicht oder ob eine Operation notwendig ist. Bei einem leichten Hallux valgus ist fast immer eine konservative Behandlung angezeigt, denn aus rein kosmetischen Gründen wird ein Hallux valgus nicht operiert.

Die Diagnose eines Hallux valgus ist recht unkompliziert, weil die typischen äußeren Symptome auf den ersten Blick erkennbar sind. Der Arzt erkundigt sich nach der Schmerzempfindlichkeit des Ballens, um Hinweise auf eine eventuelle Entzündung zu erhalten und überprüft die Beweglichkeit des Fußes und des schiefen Zehs. Durch Abtasten untersucht er die Statik des Fußgewölbes und die Funktion der Gelenke. Ergänzend wird eine Röntgenaufnahme angefertigt, damit der Arzt den Grad der Abweichung des Mittelfußknochens feststellen und den Zustand des Gelenks beurteilen kann. Sind die Zehen noch beweglich und verursacht der Hallux valgus keine oder nur sehr geringe Beschwerden, kann eine konservative Behandlung erfolgen. Bei ständigen Schmerzen und einer extremen Schiefstellung wird der Arzt eine Operation vorschlagen.

Konservative Therapie

Mit einer konservativen Therapie kann die Fehlstellung nicht dauerhaft korrigiert werden, dies ist leider nur mit einer Operation möglich. Konservative Maßnahmen können jedoch ein Fortschreiten der Fehlstellung aufhalten. Die konservative Therapie beschränkt sich deshalb nicht auf die Behandlung des Ballens. Es geht vielmehr darum, den gesamten Fuß zu entlasten und zu stabilisieren um Schmerzen auszuschalten oder zumindest weitestgehend zu verringern, Folgeschäden zu vermeiden und die Gangsicherheit zu gewährleisten.
Zu den konservativen Maßnahmen gehören:

Hallux valgus Schuhe

Das Laufen mit einem schiefen Zeh fällt häufig schwer und ist schmerzhaft. Die richtigen Schuhe bei einem Hallux valgus geben Stabilität und engen die Zehen nicht ein. Besonders gut geeignet sind spezielle Hallux valgus Schuhe, Gesundheitsschuhe oder Stretchschuhe.
Diese Schuhe zeichnet aus:
  • ein Innenleben ohne störende Nähte,
  • eine weiche Polsterung,
  • die Verwendung von flexiblen und atmungsaktive Materialien für ein optimales Fußklima
  • Wechselfußbetten und
  • die Möglichkeit individuelle Einlagen zu tragen.
Ein Tipp für den Schuhkauf: Probieren Sie neue Schuhe am Nachmittag oder Abend, da Ihre Füße im Verlauf des Tages länger und breiter werden.
Hallux valgus Schuhe

Hallux valgus Einlagen

Da ein Hallux valgus oft mit einem Spreizfuß einhergeht, werden häufig individuelle orthopädische Einlagen verschrieben. Sie stützen das abgesunkene Längs- und Quergewölbe des Fußes. Sensomotorische Einlagen fördern die Durchblutung und regen die Arbeit der Fußmuskulatur an. Bei akuten Entzündungen helfen kühlende Umschläge und entzündungshemmende Medikamente.

Hallux valgus Bandagen, Schienen und Zehenpolster

Neben dem richtigen Schuhwerk helfen Bandagen, Schienen oder Zehenpolster dabei, die Fehlstellung des Fußes auszugleichen sowie Druck- und Scheuerstellen. Hallux Valgus Bandagen stabilisieren und entlasten den Mittelfuß indem sie das Quergewölbe aufrichten. Eine Hallux Valgus Schiene, die nachts und auch tagsüber getragen werden kann, fixiert den Zeh in einer anatomisch korrekten Position und verbessert die Abrollbewegung beim Laufen. Ballenpolster und Zehenpolster sorgen für eine natürliche Haltung der Zehen, korrigieren deren Lage im Schuh und verhindern so Druckstellen und Schmerzen.
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Hallux valgus Strümpfe

Bei der Behandlung eines Hallux valgus werden in den meisten Fällen Zehenpolster, Schienen uns Bandagen verwendet. Wenn Sie diese anlegen, können Sie jedoch keinen normalen Strumpf tragen, da dieser keine Lücke zwischen großem Zeh und dem angrenzenden Zeh () hat. Nutzen Sie dennoch einen ganz normalen Strumpf und quetschen diesen, so entstehen meist weitere schmerzhafte Scheuerstellen und der Strumpf leiert aus. Tragen Sie gar keinen Strumpf drohen kalte Füße und Erkältungen. Es gibt jedoch Hallux valgus Spezialstrümpfe, die sich dieses Problems annehmen danke einer separaten Spitze für den großen Zeh die Verwendung von Polstern, Schienen und Bandagen ermöglichen ohne kalte Füße zu bekommen.
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Physiotherapie

Ein wichtiger Bestandteil der konservativen Behandlung ist die Physiotherapie. Regelmäßige Zehen- und Fußgymnastik stärkt die Muskulatur, festigt das Bindegewebe, wirkt sich positiv auf das Fußgewölbe aus und hält die Füße beweglich. Zudem werden durch das Training Fehlbelastungen aktiv ausgeglichen. Damit die Übungen richtig ausgeführt werden, sollten sie in einer krankengymnastischen Praxis erlernt werden. Gute Erfolge verspricht auch die Spiraldynamik. Hierbei handelt es sich um ein Ganzkörpertraining, mit dem optimale Haltungen und Bewegungen für das jeweils betroffene Gelenk geschult werden. Auch diese Übungen sollten unbedingt unter professioneller Anleitung erlernt werden.
Gehen Sie öfter barfuß, denn barfuß laufen ist eine einfache, aber sehr wirksame Methode, den Füßen etwas Gutes zu tun. Es trainiert effektiv die Dynamik und Koordination von Fußmuskulatur, Knochen und Gelenken.

Operation

Verursacht der Hallux valgus permanent Schmerzen und ist der Patient in seiner Mobilität stark eingeschränkt, hilft nur eine Operation. Ideales Ziel der Operation ist es, die anatomisch korrekte Lage des Zehs dauerhaft wieder herzustellen und Schmerzen auszuschalten. Für eine Operation stehen ca. 150 Methoden zur Verfügung. Welches Verfahren zur Anwendung kommt, hängt vom Schweregrad der Fehlstellung ab. Bei dem Eingriff werden sowohl Knochen als auch Weichteile operiert, weil auch die Sehnen und Muskeln wieder in ihrer anatomisch korrekten Lage fixiert werden. In vielen Fällen müssen auch Schäden am Schleimbeutel und der Gelenkkapsel behoben werden.
Die Heilungsphase ist relativ langwierig. Es muss eine mehrwöchige Arbeitsunfähigkeit einkalkuliert werden. Sportliche Aktivitäten können frühestens nach ca. drei Monaten wieder aufgenommen werden. Nach der Operation muss, je nach chirurgischem Verfahren, ein Vorfußentlastungsschuh oder ein Verbandschuh getragen werden. Nach der endgültigen Abnahme des Verbandes sollte über einen Zeitraum von ungefähr drei Monaten tagsüber im Schuh ein Zwischenzehenpolster getragen werden. Für die Nacht wird für diesen Zeitraum eine Hallux Valgus Schiene verordnet. Der Fuß muss allmählich an die normalen Belastungen gewöhnt werden und die Koordination der Bewegungen muss neu trainiert werden. Physiotherapeutische Maßnahmen, die oft schon recht kurzfristig nach der Operation eingesetzt werden, unterstützen den Heilungsprozess.

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